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Gelegentlich fühle ich mich wie Carrie Bradshaw - in einer sehr? abgetakelten Version. Anstatt New York City: eine mittelgroße Stadt im regnerischen Deutschland und anstatt Sex und Party der schnöde Alltag. Zugegeben, viel verbindet uns nicht. Aber dennoch: streben wir nicht alle nach dem Glamour, und endlosen „Fun“?
Auch wenn ich keine Manolos oder hippe Gucci Treter habe, besitze ich? dafür so einiges, das Carrie nicht hat. Ein echtes Leben zum Beispiel. Denn auch wenn ich mich ab und an fühle wie eine fiktive, aus den Fugen geratene Comicfigur, so bin ich doch echt. Glaube ich zumindest. Aber, mal ehrlich, woher weiß ich denn das ich wirklich echt bin? Bin ich, nicht vielleicht genauso, wie Carrie und ihre Freundinnen ein Produkt der Phantasie, von irgendwem? Das ist sicher eine der großen philosophischen Fragen, die bereits seit Aristoteles und Co die Menschheit beschäftigt. Wer garantiert uns, dass die Realität wirklich real ist, und überhaupt: was verstehen wir unter real?
Sind die Freunde auf Facebook real? Einerseits schon, andererseits nicht. Da beginnt sie schon, die Grauzone. Die "Twilight Zone". Im wirklichen Leben würden wir uns auf mindestens 98 Prozent unserer virtuellen Freunde wohl kaum verlassen, geschweige denn, ihnen derart persönliche Dinge anvertrauen, wie wir es relativ unbedarft im Netz tun. Sind wir nicht gelegentlich ein wenig unvorsichtig? Woher wollen wir wissen, wer sich unsere so freigiebig hochgeladenen Fotos im echten Leben anschaut? Woher wissen wir, ob sich nicht grade in diesem Moment irgendein perverser alter Typ einen runterholt und sich dabei die Bikini Fotos vom letzten Malediven Urlaub reinzieht?
Egal? Passiert nicht? Würde ich so nicht sagen. Die ganze Welt wimmelt von kranken Typen und gerade im Web tummeln sie sich in Massen. Kein Wunder nirgendwo sonst ist es möglich, derart unbehelligt Einblicke in das Leben der Anderen zu erhalten. Und wir werfen ihnen die Brocken bereitwillig hin, ebenso wie wir Enten füttern würden. Friss! Und sie würgen sie ebenso gierig runter wie die Enten. Nur eins unterscheidet sie: Die Enten erleichtern sich irgendwann. Zwangsläufig, das müssen sie ja, sonst würden sie ja irgendwann platzen! Die Datensammler tun dies jedoch nie! Ihr Gedärm ist dehnbarer, als es sich du und ich in unseren kühnsten Träumen vorstellen können!
Wer hat heutzutage überhaupt noch einen Überblick, darüber was er wo, und wann gepostet hat? Den haben wahrscheinlich nur die Betreiber von Sozialen Netzwerken, wie Facebook und Twitter. Du und ich, wir haben ihn nicht. Einige Wochen vielleicht, doch dann vergessen wir. Doch die Datenkraken, die vergessen nicht. Die haben ein besseres Gedächtnis als Methusalem!
Sie horten unsere Daten, Postings, Likes und Fotos bis in alle Ewigkeit.
Was sie damit machen? Geht weder dich noch mich etwas an, denn bereitwillig und freundlich wie wir sind, verschenken wir unser geistiges Eigentum an Dritte und Vierte, Fünfte und Sechste ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was damit geschieht.
Macht uns das Angst? Nicht wirklich, da wir nicht darüber nachdenken. Eine Studie hat kürzlich ergeben, dass die Mehrheit der Leute entweder keinen blassen Schimmer haben oder sie zwar Angst haben, aber es trotzdem tun. Denn es machen ja auch alle anderen. So ist das. Absehbar sind die Konsequenzen dieser Großsammlung nur schwerlich.
Das Ding ist doch folgendes: Wer jahrelang das, was wir von uns geben, hört und behält, der kennt uns doch irgendwann verdammt gut, oder? Besser, als so manch ein realer Bekannter. Denn dem würden wir wohl kaum etwas über Vaginalpilz oder über das Entfernen von lästiger Gesichtsbehaarung, Preis geben, oder? Google erzählen wir es aber bedenkenlos. Tag für Tag, machen ja auch alle. Das auch diese Daten gespeichert werden ist vielen zwar mehr oder weniger klar, doch ändert das nichts am Verhalten. Überlegt mal, spinnt mal rum…was kann man mit all den Daten anfangen? Mir hat jemand erzählt, dass es anhand dessen bestimmt möglich wäre, ganze Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Unsinnig ist das nicht, denn von Krankheiten, über Kaufverhalten bis zu den Freunden, mit denen man sich virtuell umgibt, wissen die Kraken alles. Sie kennen sogar unsere Meinung. Ist das nicht beängstigend?
Da verschwimmen wieder einmal die virtuelle und die reale Realität auf erschreckende Weise. Und so werden wir, die Kunstfiguren, die Avatarführer aus dem Netz plötzlich echt. Nichts mehr mit Lady Hot Chic! Claudia Müller, gestatten? Da kommt die wenig glamouröse Echtheit und stellt uns vor einen Spiegel und der zeigt im seltensten Fall Carrie Bradshaw. Nein, er zeigt uns wie wir sind, und das was wir sein wollen. Und wer hält den Spiegel? Die Krake mit ihren klebrigen Tentakeln. Sollten wir uns nicht gelegentlich bewusst machen, wie leichtfertig wir sind? Wie unkritisch und blauäugig? Nee? Nun ja, es gibt auch angenehmeres, zum Beispiel ein netter Chat mit Wolverine-Man oder so. Und ehrlich, ich benutze auch Facebook, und ja, auch Twitter ist mir nicht fremd. Google ist, dank Startseite, mein ständiger Begleiter, sowohl auf meinem privaten wie auf meinem beruflichen PC, und auch auf meinem Smartphone. Immer dabei, immer online. Man kann schlecht darauf verzichten, das gestehe ich ohne weiteres ein, und es gab Zeiten da war ich der reinste Facebook Junkie. Da hat die Krake ordentlich Futter bekommen, von Lieblingsessen, über Lieblingsbuch bis zu dem was ich sportlich so trieb, sie weiß nun einiges. Und sie weiß sogar, welcher Sport mir besonders schwer fiel, und wann ich besonders verkatert war. Das ist doch erschreckend! Demnächst, steht am Morgen nach der nächsten Party, pünktlich um neun, der Pharmavertreter vor der Tür um mir Aspirin zu verhökern. Im Dauerabo versteht sich! Kann praktisch sein! Sicher, doch wie gläsern wollen wir sein? Nicht mal wir wissen, ob Carrie Bradshaw Verdauungsprobleme hat… Google hingegen könnte es wissen. Irgendwann bekommen wir den "Payback" für unsere Leichtfertigkeit!
von Natascha N.
Auch wenn ich keine Manolos oder hippe Gucci Treter habe, besitze ich? dafür so einiges, das Carrie nicht hat. Ein echtes Leben zum Beispiel. Denn auch wenn ich mich ab und an fühle wie eine fiktive, aus den Fugen geratene Comicfigur, so bin ich doch echt. Glaube ich zumindest. Aber, mal ehrlich, woher weiß ich denn das ich wirklich echt bin? Bin ich, nicht vielleicht genauso, wie Carrie und ihre Freundinnen ein Produkt der Phantasie, von irgendwem? Das ist sicher eine der großen philosophischen Fragen, die bereits seit Aristoteles und Co die Menschheit beschäftigt. Wer garantiert uns, dass die Realität wirklich real ist, und überhaupt: was verstehen wir unter real?
Sind die Freunde auf Facebook real? Einerseits schon, andererseits nicht. Da beginnt sie schon, die Grauzone. Die "Twilight Zone". Im wirklichen Leben würden wir uns auf mindestens 98 Prozent unserer virtuellen Freunde wohl kaum verlassen, geschweige denn, ihnen derart persönliche Dinge anvertrauen, wie wir es relativ unbedarft im Netz tun. Sind wir nicht gelegentlich ein wenig unvorsichtig? Woher wollen wir wissen, wer sich unsere so freigiebig hochgeladenen Fotos im echten Leben anschaut? Woher wissen wir, ob sich nicht grade in diesem Moment irgendein perverser alter Typ einen runterholt und sich dabei die Bikini Fotos vom letzten Malediven Urlaub reinzieht?
Egal? Passiert nicht? Würde ich so nicht sagen. Die ganze Welt wimmelt von kranken Typen und gerade im Web tummeln sie sich in Massen. Kein Wunder nirgendwo sonst ist es möglich, derart unbehelligt Einblicke in das Leben der Anderen zu erhalten. Und wir werfen ihnen die Brocken bereitwillig hin, ebenso wie wir Enten füttern würden. Friss! Und sie würgen sie ebenso gierig runter wie die Enten. Nur eins unterscheidet sie: Die Enten erleichtern sich irgendwann. Zwangsläufig, das müssen sie ja, sonst würden sie ja irgendwann platzen! Die Datensammler tun dies jedoch nie! Ihr Gedärm ist dehnbarer, als es sich du und ich in unseren kühnsten Träumen vorstellen können!
Wer hat heutzutage überhaupt noch einen Überblick, darüber was er wo, und wann gepostet hat? Den haben wahrscheinlich nur die Betreiber von Sozialen Netzwerken, wie Facebook und Twitter. Du und ich, wir haben ihn nicht. Einige Wochen vielleicht, doch dann vergessen wir. Doch die Datenkraken, die vergessen nicht. Die haben ein besseres Gedächtnis als Methusalem!
Sie horten unsere Daten, Postings, Likes und Fotos bis in alle Ewigkeit.
Was sie damit machen? Geht weder dich noch mich etwas an, denn bereitwillig und freundlich wie wir sind, verschenken wir unser geistiges Eigentum an Dritte und Vierte, Fünfte und Sechste ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was damit geschieht.
Macht uns das Angst? Nicht wirklich, da wir nicht darüber nachdenken. Eine Studie hat kürzlich ergeben, dass die Mehrheit der Leute entweder keinen blassen Schimmer haben oder sie zwar Angst haben, aber es trotzdem tun. Denn es machen ja auch alle anderen. So ist das. Absehbar sind die Konsequenzen dieser Großsammlung nur schwerlich.
Das Ding ist doch folgendes: Wer jahrelang das, was wir von uns geben, hört und behält, der kennt uns doch irgendwann verdammt gut, oder? Besser, als so manch ein realer Bekannter. Denn dem würden wir wohl kaum etwas über Vaginalpilz oder über das Entfernen von lästiger Gesichtsbehaarung, Preis geben, oder? Google erzählen wir es aber bedenkenlos. Tag für Tag, machen ja auch alle. Das auch diese Daten gespeichert werden ist vielen zwar mehr oder weniger klar, doch ändert das nichts am Verhalten. Überlegt mal, spinnt mal rum…was kann man mit all den Daten anfangen? Mir hat jemand erzählt, dass es anhand dessen bestimmt möglich wäre, ganze Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Unsinnig ist das nicht, denn von Krankheiten, über Kaufverhalten bis zu den Freunden, mit denen man sich virtuell umgibt, wissen die Kraken alles. Sie kennen sogar unsere Meinung. Ist das nicht beängstigend?
Da verschwimmen wieder einmal die virtuelle und die reale Realität auf erschreckende Weise. Und so werden wir, die Kunstfiguren, die Avatarführer aus dem Netz plötzlich echt. Nichts mehr mit Lady Hot Chic! Claudia Müller, gestatten? Da kommt die wenig glamouröse Echtheit und stellt uns vor einen Spiegel und der zeigt im seltensten Fall Carrie Bradshaw. Nein, er zeigt uns wie wir sind, und das was wir sein wollen. Und wer hält den Spiegel? Die Krake mit ihren klebrigen Tentakeln. Sollten wir uns nicht gelegentlich bewusst machen, wie leichtfertig wir sind? Wie unkritisch und blauäugig? Nee? Nun ja, es gibt auch angenehmeres, zum Beispiel ein netter Chat mit Wolverine-Man oder so. Und ehrlich, ich benutze auch Facebook, und ja, auch Twitter ist mir nicht fremd. Google ist, dank Startseite, mein ständiger Begleiter, sowohl auf meinem privaten wie auf meinem beruflichen PC, und auch auf meinem Smartphone. Immer dabei, immer online. Man kann schlecht darauf verzichten, das gestehe ich ohne weiteres ein, und es gab Zeiten da war ich der reinste Facebook Junkie. Da hat die Krake ordentlich Futter bekommen, von Lieblingsessen, über Lieblingsbuch bis zu dem was ich sportlich so trieb, sie weiß nun einiges. Und sie weiß sogar, welcher Sport mir besonders schwer fiel, und wann ich besonders verkatert war. Das ist doch erschreckend! Demnächst, steht am Morgen nach der nächsten Party, pünktlich um neun, der Pharmavertreter vor der Tür um mir Aspirin zu verhökern. Im Dauerabo versteht sich! Kann praktisch sein! Sicher, doch wie gläsern wollen wir sein? Nicht mal wir wissen, ob Carrie Bradshaw Verdauungsprobleme hat… Google hingegen könnte es wissen. Irgendwann bekommen wir den "Payback" für unsere Leichtfertigkeit!
von Natascha N.
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