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11. Oktober 2016
Karriereverweigerer - Zweifel am System
Der neue Weg der Generation Y
Wie soll das Arbeitsleben der Zukunft aussehen? Werden wir uns alle immer weiter zu sich selbst optimierenden Lebensläufen entwickeln, die streng darauf bedacht sind, in ihrem Job alles zu geben, um die Karriereleiter möglichst schnell möglichst weit nach oben steigen zu können?
Oder läuft es vielleicht in eine genau entgegengesetzte Richtung. Nach und nach werden immer mehr Beschäftigungsfelder von Computern und Maschinen übernommen, die mit wenig Personal zur Wartung und Bedienungen auskommen. Der Mensch verschwindet aus der Gleichung, die da lautet Arbeit plus Zeit ist Verdienst. Die Gefahr, dass sich der gemeine Arbeiter schlussendlich ohne Job, ohne Geld und ohne eigentlichen Zweck durch das Leben schlagen muss, ist in dieser Dystopie sicherlich eine reelle.
Nimmt man eine Weiterentwicklung des momentanen Systems an, so müssen sich Arbeitsnehmer weiter qualifizieren und an die Vorstellungen der Unternehmen anpassen. Bezahlung erfolgt nach Leistung und wie diese zu bewerten ist, bestimmt der Arbeitgeber. Ziel ist der Aufstieg, finanziell, im Unternehmen, gegebenenfalls auch gesellschaftlich.
Diesem Konzept verweigern sich immer mehr Menschen. Gerade in den letzten Jahren ist eine zunehmende Abwendung von dem Absoluten Leistungsgedanken hin zu neuen Ideen und Vorstellungen zu beobachten, die sich fundamental von den Werten der vorangegangenen Generationen unterscheidet.
Neue Arbeitsethik aus Berlin
Die Gruppe „Haus Bartleby“ aus Berlin beschäftigt sich eingehend mit Fragestellungen rund um ein neues Arbeitsverständnis und kennt auch schon einige Antworten. Ihre Haltung ist klar. Sie verweigern sich dem Zwang, sich selbst zu optimieren und Dinge zu produzieren, die keinen anderen Zweck haben, als den, einen finanziellen Gewinn zu erzielen. Kernbestreben ist, das sich „an dem ökonomischen Grundverabredung etwas ändern muss.“
Ihr Prestigeprojekt ist ein Tribunal gegen den Kapitalismus. In einer fiktiven Gerichtsverhandlung wird das Wirtschaftssystem angeklagt und diverse Verbrechen beschuldigt. Mit der Ausarbeitung des Prozesses in all seinen Facetten befassen sich die zwölf Mitglieder des Haus Bartleby nun schon seit Monaten. Die Präsentation des Projektes erfolgt dann im Sommer 2017.
Die Macher erhoffen sich davon einen öffentlichen Diskurs über die ökonomischen Strukturen unserer Gesellschaft wollen einen Antwort geben auf die Frage, was man ändern müsse. Sie betonen aber, dass dies ausschließlich Vorschläge und Anregungen sin, keine in sich geschlossenen Konzepte.
Arbeitsleben im Wandel – Neue Aufgaben, neue Ansprüche
Solch einschneidende Veränderungen strebt die Masse der Gesellschaft nicht an. Doch eine Verbesserung ihres Arbeitsumfeldes wünschen sich die meisten. An erster Stelle stehen hier die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Forderung nach mehr und flexiblerer Freizeitgestaltung. Mehr Geld oder Fortschritte auf der Karriereleiter hat einen weit geringeren Stellenwert. Damit unterscheidet sich die heutige Generation fundamental von den ihr vorangegangenen, für die Macht, Geld und Einfluss immer Sinn und Zweck der beruflichen Existenz waren.
Arbeitgeber stellen sich erst langsam auf die neuen Anforderungen ein. In den Chefetagen ist die neue Richtung zwar schon bekannt, aber gern gesehen und umgesetzt wird sie vielerorts deshalb noch nicht. Flexible Arbeitszeiten setzen sich mehr und mehr durch und auch die Arbeit von zu Hause aus findet immer mehr sinnvolle Anwendungsfelder.
Auch für den Arbeitgeber kann diese Entwicklung Vorteile bereithalten. Zufriedenen Angestellte sind produktivere Angestellt. Und gerade die Optimierung des Arbeitsplatzes nach den persönlichen Vorlieben des Arbeitnehmers führt zu einer erhöhten Produktivität und zu höherer Zufriedenheit. Hinzu kommt, dass man sich als modernes Unternehmen attraktiv für junge und hoch qualifizierte Fachkräfte macht. Arbeitnehmer können sich eher mit Firmenideologie und -kultur identifizieren und fühlen sich wertgeschätzt.
Kritik
Doch bei all der Freude um neue Möglichkeiten und Optionen sollte man doch nicht vergessen, dass solche Überlegungen und Konzepte nur für einen Teil, und zwar für den besser Verdienenden überhaupt umsetzbar sind. Eine Friseurin kann sich kaum einen Verzicht auf Gehalt im Austausch für mehr Freizeit leisten, so gern sie es auch würde und auch der Kassierer im Supermarkt wird keinen flexiblen Arbeitszeitmodelle bekommen, da die Öffnungszeiten einzuhalten sind. Bis es hier zu einer Änderung kommt, ist noch ein weiter Weg zu gehen.
Von Philipp Schwarze
Wie soll das Arbeitsleben der Zukunft aussehen? Werden wir uns alle immer weiter zu sich selbst optimierenden Lebensläufen entwickeln, die streng darauf bedacht sind, in ihrem Job alles zu geben, um die Karriereleiter möglichst schnell möglichst weit nach oben steigen zu können?
Oder läuft es vielleicht in eine genau entgegengesetzte Richtung. Nach und nach werden immer mehr Beschäftigungsfelder von Computern und Maschinen übernommen, die mit wenig Personal zur Wartung und Bedienungen auskommen. Der Mensch verschwindet aus der Gleichung, die da lautet Arbeit plus Zeit ist Verdienst. Die Gefahr, dass sich der gemeine Arbeiter schlussendlich ohne Job, ohne Geld und ohne eigentlichen Zweck durch das Leben schlagen muss, ist in dieser Dystopie sicherlich eine reelle.
Steuert unsere Gesellschaft auf eine sozialere Arbeitswelt zu oder entwickelt sich hier vor unseren Augen ein untragbares Konstrukt?
Nimmt man eine Weiterentwicklung des momentanen Systems an, so müssen sich Arbeitsnehmer weiter qualifizieren und an die Vorstellungen der Unternehmen anpassen. Bezahlung erfolgt nach Leistung und wie diese zu bewerten ist, bestimmt der Arbeitgeber. Ziel ist der Aufstieg, finanziell, im Unternehmen, gegebenenfalls auch gesellschaftlich.
Diesem Konzept verweigern sich immer mehr Menschen. Gerade in den letzten Jahren ist eine zunehmende Abwendung von dem Absoluten Leistungsgedanken hin zu neuen Ideen und Vorstellungen zu beobachten, die sich fundamental von den Werten der vorangegangenen Generationen unterscheidet.
Neue Arbeitsethik aus Berlin
Die Gruppe „Haus Bartleby“ aus Berlin beschäftigt sich eingehend mit Fragestellungen rund um ein neues Arbeitsverständnis und kennt auch schon einige Antworten. Ihre Haltung ist klar. Sie verweigern sich dem Zwang, sich selbst zu optimieren und Dinge zu produzieren, die keinen anderen Zweck haben, als den, einen finanziellen Gewinn zu erzielen. Kernbestreben ist, das sich „an dem ökonomischen Grundverabredung etwas ändern muss.“
Ihr Prestigeprojekt ist ein Tribunal gegen den Kapitalismus. In einer fiktiven Gerichtsverhandlung wird das Wirtschaftssystem angeklagt und diverse Verbrechen beschuldigt. Mit der Ausarbeitung des Prozesses in all seinen Facetten befassen sich die zwölf Mitglieder des Haus Bartleby nun schon seit Monaten. Die Präsentation des Projektes erfolgt dann im Sommer 2017.
Die Macher erhoffen sich davon einen öffentlichen Diskurs über die ökonomischen Strukturen unserer Gesellschaft wollen einen Antwort geben auf die Frage, was man ändern müsse. Sie betonen aber, dass dies ausschließlich Vorschläge und Anregungen sin, keine in sich geschlossenen Konzepte.
Arbeitsleben im Wandel – Neue Aufgaben, neue Ansprüche
Solch einschneidende Veränderungen strebt die Masse der Gesellschaft nicht an. Doch eine Verbesserung ihres Arbeitsumfeldes wünschen sich die meisten. An erster Stelle stehen hier die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Forderung nach mehr und flexiblerer Freizeitgestaltung. Mehr Geld oder Fortschritte auf der Karriereleiter hat einen weit geringeren Stellenwert. Damit unterscheidet sich die heutige Generation fundamental von den ihr vorangegangenen, für die Macht, Geld und Einfluss immer Sinn und Zweck der beruflichen Existenz waren.
Arbeitgeber stellen sich erst langsam auf die neuen Anforderungen ein. In den Chefetagen ist die neue Richtung zwar schon bekannt, aber gern gesehen und umgesetzt wird sie vielerorts deshalb noch nicht. Flexible Arbeitszeiten setzen sich mehr und mehr durch und auch die Arbeit von zu Hause aus findet immer mehr sinnvolle Anwendungsfelder.
Auch für den Arbeitgeber kann diese Entwicklung Vorteile bereithalten. Zufriedenen Angestellte sind produktivere Angestellt. Und gerade die Optimierung des Arbeitsplatzes nach den persönlichen Vorlieben des Arbeitnehmers führt zu einer erhöhten Produktivität und zu höherer Zufriedenheit. Hinzu kommt, dass man sich als modernes Unternehmen attraktiv für junge und hoch qualifizierte Fachkräfte macht. Arbeitnehmer können sich eher mit Firmenideologie und -kultur identifizieren und fühlen sich wertgeschätzt.
Kritik
Doch bei all der Freude um neue Möglichkeiten und Optionen sollte man doch nicht vergessen, dass solche Überlegungen und Konzepte nur für einen Teil, und zwar für den besser Verdienenden überhaupt umsetzbar sind. Eine Friseurin kann sich kaum einen Verzicht auf Gehalt im Austausch für mehr Freizeit leisten, so gern sie es auch würde und auch der Kassierer im Supermarkt wird keinen flexiblen Arbeitszeitmodelle bekommen, da die Öffnungszeiten einzuhalten sind. Bis es hier zu einer Änderung kommt, ist noch ein weiter Weg zu gehen.
Von Philipp Schwarze
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