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19. Juni 2016
Vorurteile gegen Ausländer: Schubladendenken in unseren Köpfen
Ob Schwarz, ob Weiß; verschleiert oder bauchfrei – Deutsche schmücken sich gerne damit, „Multikulti“ zu sein. Jeder ist willkommen, es gibt keine Vorurteile, hier wird fortschrittlich und weltoffen gedacht. Und doch fällt er in nahezu jeder Stammtischdebatte. Der Satz: „Ich hab ja nichts gegen Ausländer“. Gefolgt von einer kurzen Pause - Und dem anschließenden „Aber...“. Denn ganz so vorurteilsfrei, wie wir es gerne hätten, sind wir eben doch nicht. Was dies für die Betroffenen bedeutet, lest ihr im folgenden Artikel.
Vorurteile sind kein Phänomen der Moderne – Im Gegenteil: Es gab sie schon immer. Bereits der Neandertaler wollte möglichst wenig mit dem Homo sapiens zu tun haben. Schließlich war er „der Feind“; klaute Land, Vieh und Ressourcen. Ihn zu meiden schien also überlebenswichtig zu sein. Gut, dass die beiden Menschenarten sich in ihrer Erscheinung unterschieden – Denn so konnte der frühe Mensch ganz schnell sagen, ob es sich bei dem Gegenüber um einen Freund handelte, oder um jemanden, der ihn womöglich umbringen wollte.
Und dieses „Klassendenken“ hat in unserem Köpfen offenbar bis heute überlebt. Denn Studien belegen, dass bereits im Alter von drei Jahren das Gehirn von Kindern an Energie spart, indem es gewissen äußerlichen Erscheinungsbildern gute, oder eben schlechte Eigenschaften zuordnet. Evolutionär gesehen völlig normal – In Zeiten der Globalisierung sollte man jedoch spätestens als Jugendlicher wissen, dass diese Denkweise (im wahrsten Sinne des Wortes) veraltet ist.
Vorurteile gegen Ausländer sind allgegenwärtig
„Zuwanderer machen die deutsche Kultur kaputt“, „Einwanderer nehmen uns alle guten Jobs weg!“, „Flüchtlinge kriegen für's Nichtstun mehr Geld als ein Harz IV-Empfänger“. Mit diesen Vorurteilen werden viele Immigranten tagtäglich konfrontiert. Ob sie wirklich gerade erst nach Deutschland gekommen sind, oder bereits seit mehreren Generationen hier leben, ist bei der Gruppenzuordnung nebensächlich. Wichtig ist für die Diskriminierenden nur: Sie sind anders. Sie gehören nicht „dazu“. Sie sind in der Minderheit. Und das bedeutet, sie können sich auch nicht wehren, wenn man sie für Missstände verantwortlich macht, zu deren Entstehungszeit sie eigentlich noch gar nicht im Lande waren.
Und tun sie es doch – Nun, dann hat sich das Vorurteil der „gewalttätigen Fremden“ ja bewahrheitet. Wehrt sich niemand, so läuft alles weiter wie bisher; denn wie oft es tatsächlich zu Diskriminierungen kommt, wird von Politik und Gesellschaft oftmals einfach ignoriert. Dabei müsste jeder normal denkende Mensch heutzutage doch eigentlich wissen, dass auch ein dunkelhäutiger Mensch ein Einser-Abitur machen und auch ein Mädchen mit Burka einen deutschen Pass besitzen kann…
Schon der Name macht den Unterschied
Man muss jedoch noch nicht einmal unbedingt ausländisch aussehen, um diskriminiert zu werden. Oft reicht es schon aus, wenn der eigene Name einfach nicht so richtig deutsch klingt. Es ist deshalb längst keine Seltenheit mehr, dass Frank Meier auf postalischem Wege eine qualitativ bessere Auskunft bekommt, als beispielsweise Ahmed Durmaz. Und dies ist nicht nur das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Wissenschaftszentrums Berlins für Sozialforschung – Nein, es ist für viele Menschen in Deutschland tagtäglich Realität.
Besonders schlimm ist dies für die Betroffenen, wenn es ihre Chancen bei Bewerbungen oder wichtigen Anträgen behindert – Denn davon berichten leider immer noch viel zu viele vermeintliche „Ausländer“. Die Meisten von ihnen leben allerdings schon seit mehreren Generationen in Deutschland, haben genauso gute Abschlussnoten erzielt, wie ihre Klassenkameraden und fühlen sich ebenso deutsch, wie jeder andere hierzulande auch. Warum also bleibt ihnen das Recht verwehrt, genauso behandelt zu werden, wie jeder andere deutsche Staatsbürger? Eine zufriedenstellende Antwort hierauf hat wohl niemand.
Vorurteile als Rechtfertigung sozialer Ungerechtigkeit
Als sei es jedoch noch nicht genug, dass Bewerber mit ausländisch klingendem Namen oder Aussehen wesentlich häufiger Absagen bekommen, als solche mit deutschem Namen, stärkt dies auch noch die bereits bestehenden Klischées. Denn je weniger Immigranten gute Jobs bekommen, desto mehr festigt sich im Bewusstsein der anderen Menschen das Bild, diese Gruppierung sei „faul“, „dumm“ oder es handle sich gar um „Wirtschaftsschmarotzer“. Und wenn jemand in Folge dessen als „ungebildet“ abgestempelt wird, so ist es doch klar, weshalb er auch in Zukunft keinen guten Arbeitsplatz bekommt… Obwohl dies doch logisch betrachtet eigentlich völliger Unsinn ist.
Solche Vorurteile bieten nämlich schlichtweg eines: Den idealen Nährboden für einen ewigen Kreislauf aus Diskriminierung, Ausgrenzung und noch mehr Fremdenfeindlichkeit. Einen Kreislauf, der sich nur durch den direkten Kontakt mit Menschen anderer Nationalität oder Hautfarbe durchbrechen lässt. Denn nur so lernt man recht schnell: Eigentlich, sind wir alle gleich. Eigentlich, sollte auch Ahmed Durmaz eine Antwort darauf bekommen, wann an seiner neuen Wohnung der Müll abgeholt wird. Eigentlich… In vielen Fällen ist es aber leider so, dass nur Menschen wie Frank Meier am Telefon oder auch direkt beim Amt eine freundliche und professionelle Antwort auf ihre Fragen bekommen.
Von Sarah Kleemeyer
Vorurteile sind kein Phänomen der Moderne – Im Gegenteil: Es gab sie schon immer. Bereits der Neandertaler wollte möglichst wenig mit dem Homo sapiens zu tun haben. Schließlich war er „der Feind“; klaute Land, Vieh und Ressourcen. Ihn zu meiden schien also überlebenswichtig zu sein. Gut, dass die beiden Menschenarten sich in ihrer Erscheinung unterschieden – Denn so konnte der frühe Mensch ganz schnell sagen, ob es sich bei dem Gegenüber um einen Freund handelte, oder um jemanden, der ihn womöglich umbringen wollte.
Und dieses „Klassendenken“ hat in unserem Köpfen offenbar bis heute überlebt. Denn Studien belegen, dass bereits im Alter von drei Jahren das Gehirn von Kindern an Energie spart, indem es gewissen äußerlichen Erscheinungsbildern gute, oder eben schlechte Eigenschaften zuordnet. Evolutionär gesehen völlig normal – In Zeiten der Globalisierung sollte man jedoch spätestens als Jugendlicher wissen, dass diese Denkweise (im wahrsten Sinne des Wortes) veraltet ist.
Vorurteile gegen Ausländer sind allgegenwärtig
„Zuwanderer machen die deutsche Kultur kaputt“, „Einwanderer nehmen uns alle guten Jobs weg!“, „Flüchtlinge kriegen für's Nichtstun mehr Geld als ein Harz IV-Empfänger“. Mit diesen Vorurteilen werden viele Immigranten tagtäglich konfrontiert. Ob sie wirklich gerade erst nach Deutschland gekommen sind, oder bereits seit mehreren Generationen hier leben, ist bei der Gruppenzuordnung nebensächlich. Wichtig ist für die Diskriminierenden nur: Sie sind anders. Sie gehören nicht „dazu“. Sie sind in der Minderheit. Und das bedeutet, sie können sich auch nicht wehren, wenn man sie für Missstände verantwortlich macht, zu deren Entstehungszeit sie eigentlich noch gar nicht im Lande waren.
Und tun sie es doch – Nun, dann hat sich das Vorurteil der „gewalttätigen Fremden“ ja bewahrheitet. Wehrt sich niemand, so läuft alles weiter wie bisher; denn wie oft es tatsächlich zu Diskriminierungen kommt, wird von Politik und Gesellschaft oftmals einfach ignoriert. Dabei müsste jeder normal denkende Mensch heutzutage doch eigentlich wissen, dass auch ein dunkelhäutiger Mensch ein Einser-Abitur machen und auch ein Mädchen mit Burka einen deutschen Pass besitzen kann…
Schon der Name macht den Unterschied
Man muss jedoch noch nicht einmal unbedingt ausländisch aussehen, um diskriminiert zu werden. Oft reicht es schon aus, wenn der eigene Name einfach nicht so richtig deutsch klingt. Es ist deshalb längst keine Seltenheit mehr, dass Frank Meier auf postalischem Wege eine qualitativ bessere Auskunft bekommt, als beispielsweise Ahmed Durmaz. Und dies ist nicht nur das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Wissenschaftszentrums Berlins für Sozialforschung – Nein, es ist für viele Menschen in Deutschland tagtäglich Realität.
Besonders schlimm ist dies für die Betroffenen, wenn es ihre Chancen bei Bewerbungen oder wichtigen Anträgen behindert – Denn davon berichten leider immer noch viel zu viele vermeintliche „Ausländer“. Die Meisten von ihnen leben allerdings schon seit mehreren Generationen in Deutschland, haben genauso gute Abschlussnoten erzielt, wie ihre Klassenkameraden und fühlen sich ebenso deutsch, wie jeder andere hierzulande auch. Warum also bleibt ihnen das Recht verwehrt, genauso behandelt zu werden, wie jeder andere deutsche Staatsbürger? Eine zufriedenstellende Antwort hierauf hat wohl niemand.
Vorurteile als Rechtfertigung sozialer Ungerechtigkeit
Als sei es jedoch noch nicht genug, dass Bewerber mit ausländisch klingendem Namen oder Aussehen wesentlich häufiger Absagen bekommen, als solche mit deutschem Namen, stärkt dies auch noch die bereits bestehenden Klischées. Denn je weniger Immigranten gute Jobs bekommen, desto mehr festigt sich im Bewusstsein der anderen Menschen das Bild, diese Gruppierung sei „faul“, „dumm“ oder es handle sich gar um „Wirtschaftsschmarotzer“. Und wenn jemand in Folge dessen als „ungebildet“ abgestempelt wird, so ist es doch klar, weshalb er auch in Zukunft keinen guten Arbeitsplatz bekommt… Obwohl dies doch logisch betrachtet eigentlich völliger Unsinn ist.
Solche Vorurteile bieten nämlich schlichtweg eines: Den idealen Nährboden für einen ewigen Kreislauf aus Diskriminierung, Ausgrenzung und noch mehr Fremdenfeindlichkeit. Einen Kreislauf, der sich nur durch den direkten Kontakt mit Menschen anderer Nationalität oder Hautfarbe durchbrechen lässt. Denn nur so lernt man recht schnell: Eigentlich, sind wir alle gleich. Eigentlich, sollte auch Ahmed Durmaz eine Antwort darauf bekommen, wann an seiner neuen Wohnung der Müll abgeholt wird. Eigentlich… In vielen Fällen ist es aber leider so, dass nur Menschen wie Frank Meier am Telefon oder auch direkt beim Amt eine freundliche und professionelle Antwort auf ihre Fragen bekommen.
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